Der Kleine Waffenschein: Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen führen
Zuletzt aktualisiert: · Team von waffensachkunde-quiz.de
Rund um den Kleinen Waffenschein halten sich hartnäckige Missverständnisse — etwa, dass er zum Führen scharfer Waffen berechtige oder überall gelte. Dieser Artikel erklärt, was er nach § 10 WaffG wirklich erlaubt, welche Nachweise entfallen und wo seine Grenzen liegen.
Stand: 08/2026
Was der Kleine Waffenschein ist — und was nicht
Das Waffengesetz kennt zwei Erlaubnisse zum Führen von Waffen. Nach § 10 Absatz 4 Satz 1 WaffG wird „die Erlaubnis zum Führen einer Waffe … durch einen Waffenschein erteilt“ — dieser volle Waffenschein deckt das Führen scharfer Schusswaffen und wird nur unter strengen Voraussetzungen und befristet erteilt. Für Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen sieht § 10 Absatz 4 Satz 4 WaffG dagegen eine gesonderte, deutlich einfachere Erlaubnis vor: den Kleinen Waffenschein.
Wichtig ist von Anfang an die Abgrenzung: Der Kleine Waffenschein berechtigt ausschließlich zum Führen von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen. Er erlaubt weder das Führen scharfer Schusswaffen — dafür ist der Waffenschein nach § 10 Absatz 4 Satz 1 WaffG nötig — noch das Schießen mit erlaubnispflichtigen Waffen.
Warum es nur um das „Führen“ geht
Der Kleine Waffenschein betrifft nur einen der drei waffenrechtlichen Grundbegriffe. Erwerb und Besitz von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen sind nach Anlage 2 Abschnitt 2 Unterabschnitt 2 Nummer 1.3 WaffG erlaubnisfrei — sofern die Waffe das weiter unten erläuterte amtliche Zulassungszeichen trägt, darf sie ab 18 Jahren grundsätzlich ohne behördliche Erlaubnis gekauft und zu Hause besessen werden. Erst das Führen in der Öffentlichkeit ist erlaubnispflichtig.
Was „Führen“ bedeutet, definiert das Gesetz genau. Nach Anlage 1 Abschnitt 2 Nummer 4 WaffG „führt eine Waffe, wer die tatsächliche Gewalt darüber außerhalb der eigenen Wohnung, Geschäftsräume, des eigenen befriedeten Besitztums oder einer Schießstätte ausübt“. Innerhalb der eigenen vier Wände oder auf dem eigenen umfriedeten Grundstück wird eine Waffe demnach nicht geführt — dort genügt für erlaubnisfreie Schreckschusswaffen der bloße Besitz. Sobald sie aber mit auf die Straße, in den Rucksack oder ins Auto genommen wird, greift die Erlaubnispflicht des Kleinen Waffenscheins.
Voraussetzungen: Was entfällt — und was bleibt
Der eigentliche Grund für die Popularität des Kleinen Waffenscheins liegt in seinen abgesenkten Anforderungen. Schon die amtliche Überschrift der Anlage 2 Abschnitt 2 Unterabschnitt 3 Nummer 2 WaffG benennt sie: „Führen ohne Sachkunde-, Bedürfnis- und Haftpflichtversicherungsnachweis (§ 4 Abs. 1 Nr. 3 bis 5) — Kleiner Waffenschein“.
Was entfällt (§ 4 Absatz 1 Nummer 3 bis 5 WaffG)
Beim Kleinen Waffenschein müssen — anders als beim vollen Waffenschein — der Sachkundenachweis nach § 7 WaffG (§ 4 Absatz 1 Nummer 3), der Bedürfnisnachweis nach § 8 WaffG (§ 4 Absatz 1 Nummer 4) und der Nachweis einer Haftpflichtversicherung (§ 4 Absatz 1 Nummer 5) nicht erbracht werden. Es ist also kein besonderer Grund und keine bestandene Sachkundeprüfung erforderlich.
Was bleibt (§ 4 Absatz 1 Nummer 1 und 2 WaffG)
Die allgemeinen Grundvoraussetzungen jeder Erlaubnis gelten weiter. Der Antragsteller muss nach § 4 Absatz 1 Nummer 1 WaffG das 18. Lebensjahr vollendet haben (Mindestalter nach § 2 Absatz 1) und nach § 4 Absatz 1 Nummer 2 WaffG die erforderliche Zuverlässigkeit (§ 5) und persönliche Eignung (§ 6) besitzen. Die Behörde prüft die Zuverlässigkeit also auch hier — wer waffenrechtlich unzuverlässig ist, erhält keinen Kleinen Waffenschein.
Welche Waffen erfasst sind: das Zulassungszeichen
Nicht jede vermeintliche „Gaswaffe“ fällt unter den Kleinen Waffenschein. Erfasst sind nach Anlage 2 Abschnitt 2 Unterabschnitt 2 Nummer 1.3 WaffG nur Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen, „die der zugelassenen Bauart nach § 8 des Beschussgesetzes entsprechen und das Zulassungszeichen nach Anlage 1 Abbildung 2 zur Ersten Verordnung zum Waffengesetz … tragen“. Dieses amtliche Zulassungszeichen ist das bekannte „PTB“ im Kreis, benannt nach der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt, welche die Bauartzulassung nach § 8 Beschussgesetz erteilt. Fehlt das Zeichen, handelt es sich in der Regel nicht um eine erlaubnisfrei erwerbbare Schreckschusswaffe, und der Kleine Waffenschein deckt das Führen nicht ab.
Die Grenzen: keine scharfen Waffen, kein Volksfest
So niedrig die Hürde ist — der Kleine Waffenschein hat klare Grenzen. Er berechtigt nicht zum Führen scharfer Schusswaffen; wer diese in der Öffentlichkeit führen will, braucht den vollen Waffenschein nach § 10 Absatz 4 Satz 1 WaffG mit Sachkunde, Bedürfnis und Haftpflichtversicherung.
Und selbst mit gültigem Kleinen Waffenschein ist das Führen nicht überall erlaubt. Nach § 42 Absatz 1 WaffG darf, „wer an öffentlichen Vergnügungen, Volksfesten, Sportveranstaltungen, Messen, Ausstellungen, Märkten oder ähnlichen öffentlichen Veranstaltungen teilnimmt, … keine Waffen im Sinne des § 1 Abs. 2 führen“. Dieses Verbot gilt für alle Teilnehmer — auch für Inhaber eines Kleinen Waffenscheins. Eine Ausnahme kann die zuständige Behörde nur nach § 42 Absatz 2 WaffG genehmigen; der Ausnahmebescheid ist dann mitzuführen.
Warum das Thema für die Sachkundeprüfung zählt
Der Kleine Waffenschein ist ein Musterbeispiel dafür, wie das Waffengesetz die Begriffe Erwerb, Besitz und Führen voneinander trennt und an unterschiedliche Erlaubnisse knüpft. Wer sich auf die Sachkundeprüfung nach § 7 WaffG vorbereitet, sollte die Systematik sicher beherrschen: welche Nachweise § 4 WaffG allgemein verlangt, welche beim Kleinen Waffenschein entfallen und welche — wie die Zuverlässigkeit nach § 5 WaffG — immer bleiben. Genau solche Abgrenzungen prüfen die Sachkundeprüfungen regelmäßig ab.
Streitfälle aus der Praxis: Warum Zuverlässigkeit auch ohne Sachkunde und Bedürfnis entscheidet
In der Praxis wird der Kleine Waffenschein oft als „die einfache Erlaubnis“ beschrieben, weil drei Nachweise entfallen. Zwei Fallbeispiele zeigen, wo die Behörde trotzdem eingreifen darf und welche Zahlen in der Prüfung durcheinandergeraten.
Fall 1 — Widerruf des Kleinen Waffenscheins wegen Rocker-Mitgliedschaft
Ein Antragsteller war seit 1994 Mitglied eines Chapters der Rockergruppierung Gremium MC. 2014 erhielt er einen Kleinen Waffenschein. Am 9. September 2015 hob die Waffenbehörde die Erlaubnis nach § 45 WaffG auf: Die Mitgliedschaft in einer sogenannten Outlaw Motorcycle Gang begründe die waffenrechtliche Unzuverlässigkeit nach § 5 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a und c WaffG. Das Verwaltungsgericht Trier wies die Anfechtungsklage ab, das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz wies die Berufung zurück, und das Bundesverwaltungsgericht ließ die Revision nicht zu. Der Streitwert des Beschwerdeverfahrens wurde auf 5.000 Euro festgesetzt. Die Lehre für die Sachkundeprüfung: Beim Kleinen Waffenschein entfallen Sachkunde, Bedürfnis und Haftpflichtversicherung — die Zuverlässigkeit nach § 5 WaffG bleibt. Wer waffenrechtlich unzuverlässig ist, verliert auch diese „einfache“ Erlaubnis. (BVerwG, Beschluss vom 15.02.2019, Az. 6 B 155.18; Vorinstanzen OVG Koblenz, Urteil vom 28.06.2018, Az. 7 A 11749/17; VG Trier, Urteil vom 18.05.2017, Az. 2 K 7784/16.TR)
Fall 2 — Rechenbeispiel: welche Nachweise wirklich entfallen
Beispiel: Ein 18-Jähriger glaubt, der Kleine Waffenschein sei der kleine Bruder des vollen Waffenscheins und erlaube dasselbe, nur kürzer. Nach § 10 Abs. 4 Satz 2 WaffG gilt der volle Waffenschein für scharfe Schusswaffen höchstens drei Jahre und kann zweimal um höchstens je drei Jahre verlängert werden — zusammen höchstens neun Jahre. Dafür braucht er Sachkunde, Bedürfnis und eine Haftpflichtversicherung über 1.000.000 Euro (§ 4 Abs. 1 Nr. 3 bis 5 WaffG). Beim Kleinen Waffenschein entfallen genau diese drei Nachweise (Anlage 2 Abschnitt 2 Unterabschnitt 3 Nr. 2 WaffG). Es bleiben das vollendete 18. Lebensjahr sowie Zuverlässigkeit und persönliche Eignung. Und selbst mit gültigem Kleinen Waffenschein darf er nach § 42 Abs. 1 WaffG keine Waffe auf ein Volksfest, einen Markt oder eine Sportveranstaltung mitnehmen. Wer 1.000.000 Euro auf den Kleinen Waffenschein legt, drei plus zwei mal drei Jahre mit ihm verwechselt oder das Volksfestverbot übersieht, vermischt § 4, § 10 Abs. 4 und § 42.
Die Lehre für die Sachkundeprüfung: Der Kleine Waffenschein senkt die Hürde beim Führen von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen, nicht die Anforderungen an die Person. Unzuverlässigkeit kippt die Erlaubnis; öffentliche Veranstaltungen bleiben tabu.
Häufige Fragen
Was erlaubt der Kleine Waffenschein?
Der Kleine Waffenschein erlaubt ausschließlich das Führen von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen in der Öffentlichkeit. Rechtsgrundlage ist § 10 Absatz 4 Satz 4 WaffG in Verbindung mit Anlage 2 Abschnitt 2 Unterabschnitt 3 Nummer 2 und 2.1. Er berechtigt nicht zum Führen scharfer Schusswaffen — dafür ist der Waffenschein nach § 10 Absatz 4 Satz 1 WaffG erforderlich.
Welche Voraussetzungen gelten für den Kleinen Waffenschein?
Nach der Überschrift der Anlage 2 Abschnitt 2 Unterabschnitt 3 Nummer 2 WaffG entfallen der Sachkunde-, der Bedürfnis- und der Haftpflichtversicherungsnachweis (§ 4 Absatz 1 Nummer 3 bis 5). Es bleiben die allgemeinen Voraussetzungen des § 4 Absatz 1 Nummer 1 und 2: das vollendete 18. Lebensjahr (§ 2 Absatz 1) sowie die erforderliche Zuverlässigkeit (§ 5) und persönliche Eignung (§ 6).
Darf man mit dem Kleinen Waffenschein eine Waffe auf ein Volksfest mitnehmen?
Nein. Nach § 42 Absatz 1 WaffG darf niemand, der an öffentlichen Vergnügungen, Volksfesten, Sportveranstaltungen, Messen, Ausstellungen, Märkten oder ähnlichen öffentlichen Veranstaltungen teilnimmt, Waffen im Sinne des § 1 Absatz 2 führen. Dieses Verbot gilt auch für Inhaber eines Kleinen Waffenscheins; eine Ausnahme ist nur mit behördlicher Genehmigung nach § 42 Absatz 2 WaffG möglich.
Rechtsgrundlagen & Quellen
- § 10 WaffG — Erteilung von Erlaubnissen (Waffenschein, Kleiner Waffenschein), gesetze-im-internet.de
- § 4 WaffG — Voraussetzungen für eine Erlaubnis (gesetze-im-internet.de)
- § 42 WaffG — Verbot des Führens von Waffen bei öffentlichen Veranstaltungen (gesetze-im-internet.de)
- Anlage 2 zum WaffG — Kleiner Waffenschein (Abschnitt 2 Unterabschnitt 2 Nr. 1.3 und Unterabschnitt 3 Nr. 2)
- Anlage 1 zum WaffG — Begriffsbestimmungen (Abschnitt 2 Nr. 4: „Führen“)
- § 5 WaffG — Zuverlässigkeit (gesetze-im-internet.de)
- § 45 WaffG — Rücknahme und Widerruf von Erlaubnissen (gesetze-im-internet.de)
- BVerwG, Beschluss vom 15.02.2019, Az. 6 B 155.18 — Widerruf Kleiner Waffenschein, Unzuverlässigkeit bei OMCG-Mitgliedschaft (bverwg.de)
Stand: 08/2026. Angaben nach dem geltenden Waffengesetz (WaffG). waffensachkunde-quiz.de ist ein unabhängiges Übungstool zur Prüfungsvorbereitung und ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist stets der aktuelle Gesetzestext.
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