Not- und Seenotsignalmittel: Signalpistole, Erlaubnisfreiheit & Aufbewahrung

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„Kann mir jemand sagen, ob man mit der grünen WBK für Signalpistole Kal. 4 auch pyrotechnische Signalraketen erwerben darf?" — Fragen wie diese tauchen in Segelforen regelmäßig auf, denn Not- und Seenotsignalmittel fallen in zwei getrennte Rechtsgebiete: Waffenrecht und Sprengstoffrecht, mit unterschiedlichen Nachweisen. Genau das ist auch eines der vier Themengebiete der amtlichen Sachkundeprüfung nach § 7 WaffG (Kapitel IV) — dieser Artikel ordnet die Regeln zu Erlaubnisfreiheit, Aufbewahrung, Haltbarkeit und Missbrauch.

Stand: 09/2026

Was sind Not- und Seenotsignalmittel und warum sind sie Prüfungsstoff?

Not- und Seenotsignalmittel sind Notsignale, die mit Hilfe explosionsgefährlicher Stoffe ausgelöst werden — so definiert es der amtliche Fragenkatalog des Bundesverwaltungsamts (BVA) zur Sachkundeprüfung nach § 7 WaffG. Die dabei verwendete pyrotechnische Munition definiert derselbe Fragenkatalog als Munition, die explosionsgefährliche Stoffe enthält und einen Licht-, Schall-, Rauch- oder ähnlichen Effekt erzeugt, ohne eine zweckbestimmte Durchschlagskraft im Ziel zu entfalten. Neben Waffenrecht, Waffentechnik und Handhabung bilden Not- und Seenotsignalmittel ein eigenständiges Kapitel des Fragenkatalogs, weil hier zwei unterschiedliche Gesetze ineinandergreifen: das Waffengesetz (WaffG) für Signalschusswaffen und Munition sowie das Sprengstoffgesetz (SprengG) für sonstige pyrotechnische Gegenstände.

Welche Seenotsignalmittel sind erlaubnisfrei?

Pyrotechnische Seenotsignale der Kategorie P1 — insbesondere rote Handfackeln, Rauchtöpfe, Seewasserfärber und Abschussgeräte ohne Schusswaffeneigenschaft — sind erlaubnisfrei. § 4 Abs. 1 der 1. SprengV bestimmt, dass die Erlaubnispflicht des Sprengstoffgesetzes (u. a. §§ 7 bis 13, 20, 21, 22 Abs. 1 und 2, 23, 27, 28 SprengG) auf pyrotechnische Gegenstände der Kategorie P1 nicht anzuwenden ist. Die Altersgrenze von 18 Jahren ergibt sich unabhängig davon aus § 22 Abs. 3 SprengG: Diese Vorschrift ist von der Ausnahme nicht erfasst und verbietet, explosionsgefährliche Stoffe an Personen unter 18 Jahren zu überlassen. Parallel dazu sind nach dem Waffengesetz sonstige Signalwaffen, die der zugelassenen Bauart nach § 8 Beschussgesetz entsprechen und das Zulassungszeichen „PTB im Kreis" tragen, sowie pyrotechnische Munition mit BAM-Zulassungszeichen der Klasse PM I erlaubnisfrei (Anlage 2 Abschnitt 2 Unterabschnitt 2 Nr. 1.3 und 1.10 WaffG) — ihr Führen erfordert allerdings den Kleinen Waffenschein (§ 10 Abs. 4 WaffG). Die Signalpistole Kaliber 4 (26,5 mm) trägt dieses PTB-Zulassungszeichen nicht und fällt damit nicht unter diese Ausnahme.

Braucht man für die Signalpistole Kaliber 4 eine Waffenbesitzkarte?

Ja — die Signalpistole Kaliber 4 (26,5 mm) trägt kein PTB-Zulassungszeichen und fällt deshalb nicht unter die erlaubnisfreie Ausnahme für sonstige Signalwaffen. Erwerb und Besitz bedürfen nach § 2 Abs. 2 WaffG i. V. m. Anlage 2 Abschnitt 2 Unterabschnitt 1 WaffG einer Erlaubnis, die durch eine Waffenbesitzkarte erteilt wird (§ 10 Abs. 1 WaffG) und unter anderem den Sachkundenachweis voraussetzt (§ 4 Abs. 1 Nr. 3 WaffG). Als Bedürfnis genügt laut Fragenkatalog der Nachweis, Inhaber eines seegängigen Wasserfahrzeugs zu sein (Kaufvertrag, Chartervertrag, Versicherungspolice oder Internationaler Bootsschein); die Waffenbesitzkarte ist bei der Behörde des Wohnorts zu beantragen, nicht des Liegeplatzes. Auch die zugehörige erlaubnispflichtige Munition wird per Eintragung in die Waffenbesitzkarte oder per Munitionserwerbsschein freigegeben.

Sachkundenachweis oder Fachkundenachweis — was gilt wofür?

Der waffenrechtliche Sachkundenachweis (SKN) und der sprengstoffrechtliche Fachkundenachweis (FKN) sind zwei getrennte Nachweise für zwei getrennte Gesetze — genau die Verwechslung, die im eingangs zitierten Forenbeitrag auftaucht. Der SKN nach § 4 Abs. 1 Nr. 3 WaffG berechtigt zum Erwerb der Signalpistole Kaliber 4 und der zugehörigen WaffG-Munition. Für pyrotechnische Gegenstände der Kategorie P2 (z. B. Hand-Signalraketen mit oder ohne Fallschirm) gilt dagegen das Sprengstoffgesetz: Ihr Umgang bedarf grundsätzlich einer Erlaubnis nach § 27 Abs. 1 SprengG; sie ist zu versagen, wenn Versagungsgründe nach § 8 Abs. 1 SprengG vorliegen, wofür der Fachkundenachweis entsprechend § 9 Abs. 1 und 2 SprengG zu führen ist (§ 27 Abs. 3 SprengG). Eine Ausnahme lässt § 1 Abs. 2 der 1. SprengV nur zu, wenn der Inhaber einen amtlichen Sportbootführerschein oder vergleichbaren Befähigungsnachweis besitzt, aus dem hervorgeht, dass er im Umgang mit diesen Gegenständen unterwiesen wurde.

SignalmittelRechtsgrundlageStatus
Handfackeln, Rauchtöpfe, Seewasserfärber (Kategorie P1)§ 4 Abs. 1 1. SprengV; Altersgrenze § 22 Abs. 3 SprengGerlaubnisfrei ab 18 Jahren
Sonstige Signalwaffen (PTB-Zulassung), PM-I-MunitionAnlage 2 Abschn. 2 Unterabschn. 2 Nr. 1.3/1.10 WaffGerlaubnisfrei, Führen mit Kleinem Waffenschein
Signalpistole Kaliber 4 (26,5 mm)§ 2 II, § 10 I WaffG i. V. m. Anlage 2 Abschn. 2 Unterabschn. 1erlaubnispflichtig (Waffenbesitzkarte, SKN)
Hand-Signalraketen (Kategorie P2)§ 27 I, III SprengG; Fachkunde § 8 I, § 9 SprengG; Ausnahme § 1 II 1. SprengVerlaubnispflichtig, außer mit Befähigungsnachweis (FKN)

Wie müssen Signalpistole und Munition aufbewahrt werden?

An Bord eines seegehenden Schiffes gehört die Signalpistole Kaliber 4 laut amtlichem Fragenkatalog in ein mit dem Schiffskörper fest verankertes Stahlblechbehältnis mit mindestens 4 mm dicker, elektronisch oder mechanisch verriegelter Tür (in der Praxis als „Hamburger Kasten" bezeichnet); Munition ist während der Fahrt nicht zugriffsbereit und in größerer Entfernung zur Waffe zu lagern. An Land gilt dieselbe Aufbewahrungsstufe wie für andere Kurzwaffen: ein Behältnis der Sicherheitsstufe DIN/EN 1143-1 Widerstandsgrad 0 oder I — die allgemeinen Grundsätze dazu erklärt unser Artikel zur Aufbewahrungspflicht nach § 36 WaffG. Pyrotechnische Munition sollte zudem möglichst originalverpackt gelagert werden, weil diese Verpackungen in der Regel wasserdicht und schwimmfähig sind.

Wie lange sind Seenotsignalmittel haltbar und wie entsorgt man sie?

Soweit auf dem Gegenstand nichts anderes vermerkt ist, beträgt die Verbrauchsdauer bei sachgemäßer Lagerung maximal drei Jahre; maßgeblich ist das konkrete Verfallsdatum, das auf der Munition oder Verpackung angebracht ist. Feuchtigkeit, Korrosion, hohe Lagertemperaturen und mechanische Beschädigung verkürzen diese Frist zusätzlich oder beeinträchtigen die sichere Verwendung. Überlagerte pyrotechnische Notsignale gehören nicht in den Hausmüll, sondern sind über den Fachhandel zurückzugeben oder bei einer Sondermüll- und Gefahrstoffsammelstelle abzugeben.

Was passiert bei Missbrauch von Notsignalen?

Wer Notrufe oder Notzeichen absichtlich oder wissentlich missbraucht, macht sich strafbar. § 145 Abs. 1 StGB bestimmt: „Wer absichtlich oder wissentlich 1. Notrufe oder Notzeichen mißbraucht oder 2. vortäuscht, daß wegen eines Unglücksfalles oder wegen gemeiner Gefahr oder Not die Hilfe anderer erforderlich sei, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft." Notsignale dürfen deshalb ausschließlich in echten Notfällen verwendet werden, wenn Leib oder Leben in Gefahr sind und fremde Hilfe dringend erforderlich ist — nicht als Silvesterfeuerwerk oder Startsignal ohne gesonderte Schießerlaubnis.

Rechenbeispiel und Praxisbeispiel: Fehlende Waffenbesitzkarte und abgelaufene Munition

Zwei typische Fehlerquellen aus der Praxis — beide Beispiele sind fiktiv und veranschaulichen nur die bereits zitierten Vorschriften, sie geben keinen realen Einzelfall wieder.

Praxisbeispiel (fiktiv): Gebraucht gekaufte Signalpistole ohne Waffenbesitzkarte

Ein Segler kauft einer Bekannten eine gebrauchte Signalpistole Kaliber 4 samt Munition ab, ohne vorher eine eigene Waffenbesitzkarte zu beantragen — er geht davon aus, das PTB-Zulassungszeichen mache das Gerät erlaubnisfrei. Bei einer Hafenkontrolle stellt sich heraus: Die Signalpistole trägt kein PTB-Zeichen. Erwerb und Besitz ohne Erlaubnis nach § 2 Abs. 2 WaffG i. V. m. Anlage 2 Abschnitt 2 Unterabschnitt 1 WaffG erfüllen damit § 52 Abs. 3 Nr. 2 Buchst. a WaffG (Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe) — unabhängig davon, dass die Waffe gebraucht und in gutem Glauben erworben wurde. Der gute Glaube ändert nichts an der Erlaubnispflicht.

Rechenbeispiel: Verfallsdatum der Signalmunition berechnen

Rechenbeispiel: Wird Signalmunition am 10. Juni 2023 gekauft und ist kein abweichendes Verfallsdatum auf der Munition vermerkt, endet die maximale Verbrauchsdauer von drei Jahren am 10. Juni 2026. Wer heute (Stand 25.08.2026) noch Munition mit diesem Kaufdatum an Bord mitführt, führt bereits überlagerte Signalmittel mit — sie gehören nicht mehr in den Seenotfall-Einsatz, sondern müssen über den Fachhandel oder eine Sondermüllsammelstelle zurückgegeben werden.

Häufig gestellte Fragen

Braucht man für die Signalpistole Kaliber 4 eine Waffenbesitzkarte?

Ja. Die Signalpistole Kaliber 4 (26,5 mm) trägt kein PTB-Zulassungszeichen und ist damit nach § 2 Abs. 2 WaffG i. V. m. Anlage 2 Abschnitt 2 Unterabschnitt 1 WaffG erlaubnispflichtig. Die Erlaubnis zum Erwerb und Besitz wird durch eine Waffenbesitzkarte erteilt (§ 10 Abs. 1 WaffG) und setzt unter anderem den Sachkundenachweis voraus (§ 4 Abs. 1 Nr. 3 WaffG); ein Bedürfnis, etwa als Inhaber eines seegehenden Wasserfahrzeugs, muss ebenfalls nachgewiesen werden.

Welche Seenotsignalmittel darf man ab 18 Jahren ohne Erlaubnis erwerben?

Pyrotechnische Seenotsignale der Kategorie P1 — insbesondere rote Handfackeln, bestimmte Rauchsignale sowie Abschussgeräte ohne Schusswaffeneigenschaft — sind erlaubnisfrei. Rechtsgrundlage ist § 4 Abs. 1 der 1. SprengV, wonach die Erlaubnispflicht des Sprengstoffgesetzes auf Gegenstände der Kategorie P1 nicht anzuwenden ist; die Altersgrenze von 18 Jahren ergibt sich unabhängig davon aus § 22 Abs. 3 SprengG, der von dieser Ausnahme nicht erfasst ist.

Wie lange sind Seenotsignalmittel haltbar?

Soweit auf dem einzelnen Gegenstand nichts anderes vermerkt ist, beträgt die Verbrauchsdauer bei sachgemäßer Lagerung maximal drei Jahre; das konkrete Verfallsdatum ist auf der Munition oder Verpackung angegeben. Feuchtigkeit, Korrosion, hohe Lagertemperaturen und mechanische Beschädigung verkürzen diese Frist oder beeinträchtigen die sichere Verwendung zusätzlich.

Was passiert, wenn ich eine Signalpistole Kaliber 4 ohne Waffenbesitzkarte besitze?

Das ist strafbar. § 52 Abs. 3 Nr. 2 Buchst. a WaffG bedroht den unerlaubten Erwerb, Besitz oder das Führen einer erlaubnispflichtigen Schusswaffe ohne Erlaubnis nach § 2 Abs. 2 WaffG mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe — unabhängig davon, ob die Waffe gebraucht gekauft wurde.

Kleiner Waffenschein (§ 10 WaffG) →
Führen erlaubnisfreier Signalwaffen mit PTB-Zulassung
Aufbewahrung nach § 36 WaffG →
Allgemeine Sicherheitsstufen für Waffen und Munition an Land

Rechtsgrundlagen & Quellen

Stand: 09/2026. Verwendetes qualitatives Community-Signal: wiederkehrende Frage im Segelforum (segeln-forum.de) zur Verwechslung von waffenrechtlichem Sachkundenachweis und sprengstoffrechtlichem Fachkundenachweis — als Suchintentionsdiagnose, keine Rechtsquelle. waffensachkunde-quiz.de ist ein unabhängiges Übungstool zur Prüfungsvorbereitung und ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist stets der aktuelle Gesetzestext.

Mini-Quiz: Not- und Seenotsignalmittel

4 Fragen aus diesem Sachgebiet — ohne Anmeldung. Danach weiter im vollen Trainer.

Frage 1 von 4

Was darf zur pyrotechnischen Notsignalgebung verwendet werden?

Mehrere Antworten möglich — wähle alle richtigen aus